Einmal im Monat möchten wir uns zu einem Gedankenaustausch über aktuelle und interessante Themen aus Gesellschaft, Politik, Religion etc. treffen.
Wir diskutieren anhand eines Essays von Aleida Assmann im Magazin ZEIT Geschichte Nr. 2/2026 „Keine Angst vor der eigenen Nation“ über die Frage „Wieviel Nationalismus verträgt
Europa?“
Moderation: Heiner Herbst
Hinweise:
Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann schreibt unter Hinweis auf ihr Buch „Die Wiedererfindung der Nation“ (2020):
- In Deutschland vermeiden viele Intellektuelle das Wort Nation. Es ist so stark mit dem Schrecken der deutschen Geschichte tätowiert, dass es kaum jemand mehr freiwillig in den Mund nimmt,
geschweige denn sich damit identifiziert
- Sie verweist auf eine Schrift des Schriftstellers Stefan Zweig von 1932: Zweig unterschied bereits sehr klar zwischen Patriotismus und Nationalismus. Er sprach von zwei Typen unter den
europäischen Nationen: der „Nation gegen Europa“ und der „Nation in Europa“. Sein Programm bestand darin, der Nation den Stachel des Nationalismus zu ziehen und die militante „Nation gegen
Europa“ in eine zivile „Nation in Europa“ zu verwandeln
- Die AfD möchte wesentliche Kapitel der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts vergessen. Sie empfiehlt allen Ernstes, das alte Modell der „Nation gegen Europa“ neu zu beleben. Im Zentrum
stehen Gefühle von Stolz und Ehre, verbunden mit einem ethnischen Volksbegriff.
-
- Welchen Nationsbegriff brauchen wir? Einen, der auf Bedrohung und radikale Feindbilder setzt, oder einen, der für kulturelle Vielfalt und friedliches Zusammenleben steht? Was erklären wir für
heilig – die Nation, das Volk, den Staat oder die demokratische Verfassung und die Menschenwürde?
-
- Eine zivile Nation ist notwendig, um Einwanderer zu integrieren. Sie haben das Bedürfnis, in der neuen Heimat ihren Platz zu finden, und streben den Status nicht nur eines geduldeten Gastes,
sondern eines mündigen Mitbürgers an.
-
- Bleibt die „Nation“ eine Leerstelle, haben Zuwanderer es schwer, sich mit ihrer neuen Heimat zu identifizieren.
-
- Wieviel „Nation“ verträgt die Europäische Union?
-
- Wie stark schwächen nationalistische Strömungen wie z. B. in Polen (PIS-Partei), Frankreich (Rassemblement National) oder in Italien (Fratelli d´Italia) die Handlungsfähigkeit der EU?
-
- Was kann eine vermeintliche Kränkung von Stolz und Ehre einer Nation – wenn es sie denn überhaupt geben kann – auslösen? Man denke an Deutschland nach dem Versailler Vertrag und in Putins
Russland nach der Wende in der UdSSR.
-
- Es mag utopisch sein, von einer europäischen Nation zu träumen. Was müsste sich jedoch ändern, um zumindest das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken?